Mittwoch, 4. Oktober 2006

Der harte Weg aus dem Kulturbanausentum

jeunesse

Dass Kunst und Kultur einen ganz schön auf Trapp halten können hab ich an dieser Stelle ja erst kürzlich deponiert. Natürlich geht es dabei aber nicht nur um die rein physischen Strapazen des hin und her Tändelns zwischen den Veranstaltungsorten, sondern viel öfter um die Anstrengung sich mit bisher unbekanntem auseinanderzusetzen und auch mal Dingen eine Chance einzuräumen die einem weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick reizvoll erscheinen. Eine Frage des inneren Schweinehundes würde Willi Dungl, Gott hab ihn selig, vielleicht sagen. Ein solches oder ähnliches Gefühl beschlich mich zumindest neulich nach einem gedankenverlorenen Schmökern durch das Programm des Musikfestivals Jeunesse. „In Trance. Musik im Rausche der Sinne“ ist dessen diesjähriger Titel und verspricht „die Magie von Musik und ihre verwandelnde Kraft in den Mittelpunkt zu stellen.“, während parallel zur musischen Darbietung der bildende Künstler Josef Trattner die Veranstaltungsräumlichkeiten gestaltet. Als für derartige Esoterik nur mäßig empfänglich sah ich mich tagträumend bereits auf einem von Trattners bekannten Schaumstoffkuben rastlos eine bequeme Position suchend und sich zeitgleich einen Pulk persischer Bettelmönche daran versuchend sich selbst und die anwesenden BesucherInnen in transzendentale Bewusstseinszustände zu gurgeln. Man sieht: Kultur macht’s einem nicht immer einfach aber das soll sie auch gar nicht. Denn erstens gibt es Leute denen taugt so was ohnehin (der MQ-Man muss ja nicht überall aufkreuzen) und zweitens soll man sich selbst durchaus mal fordern. Und wenn man von etwas gar keine Ahnung hat, so wie ich in diesem Fall, sind derartige Tagträumerein eine nur mäßig verlässliche Informationsquelle. Derzeit versuche ich mich zumindest wieder mit Hilfe des Faktors „skurriles must see“ zu einem Besuch zu motivieren. Natürlich kein hehreres Motiv, aber im Moment fehlt mir schlicht jeder weitere Bezug zu Extrembratschistinnen und samischen Joikern. Es muss also reichen, und wer weiß vielleicht wird das doch noch was mit mir und den Bettelmönchen.

Das Jeunesse-Festival findet von 5. bis 11. Oktober im Odeon in Wien statt. Details sind zu Programm und Tickets sind zu finden unter: http://www.jeunesse.at/

Donnerstag, 28. September 2006

MQ-Man im Kulturstress

ViennaleTaschAls Kunst- und Kulturinteressierte/r kommt man dieser Tage wohl kaum zum Durchatmen. Offensichtlich sind die Veranstalter- und KuratorInnen allerorts heil aus der Sommerfrische zurückgekehrt und können es nun kaum erwarten ihre zusammengetragenen, textilen Erwerbungen aus den globalen Modemetropolen eifrig zur schau zu tragen. Wo man hin sieht kreuchen und fleuchen die Kulturinnitiativen. Seit 21.9. scheucht einen das Programm der ersten Biennale in Wien quer durch die Stadt von Meidling bis Transdanubien. Nach Tirana schien es Mario Grubisic von der Akademie der Bildenden Künste wohl, dass auch Wien ein derartiges Festival gut zu Gesicht stehen würde. Und tatsächlich ist es durchaus spannend, dass man bei dieser Gelegenheit nicht nur nette Vernissagen unter die Nase gerieben bekommt, sondern einen der Ausflug in bisher gänzlich ignorierte Teile der Stadt irgendwie auch empfänglich für neue Dinge macht. Ungeschickter Weise, aber wahrscheinlich doch völlig beabsichtigt wurde die Viennabiennale allerdings zeitgleich mit dem Steirischen Herbst angesetzt. Der wiederum aber ist Dank neuer Intendantin Veronica Kaup-Hasler und trotz oder gerade wegen finanzieller Turbulenzen rotz-frech geraten und muss sich vor dieser „Pöbelei“ aus Wien gar nicht schrecken lassen. Ja und ganz nebenbei pirscht sich auch die Viennale bereits an. Um die bevorstehenden Sitzeinheiten gut und krampfadernfrei zu überstehen empfehle ich ab morgen Früh eine tägliche 15-minütige Gymnastikeinheit aus Knie-und Rumpfbeugen so wie Frosch- und Hampelmannsprüngen. Außerdem fordere ich die Viennale-Leitung dazu auf jedem Programm ein gratis Paar Stütz- und Kompressionsstrümpfe beizulegen, im Flex gibt’s ja auch gratis Ohrenstöpsel. Auf jeden Fall nicht vergessen: Am Samstag beginnt bereits der Vorverkauf für dieses herzallerliebste Filmfestival, und diejenigen unter euch die sich noch keine Homepage zur Vorspiegelung einer journalistischen Tätigkeit eingerichtet haben sollten schleunigst schauen sich Karten zu sichern.

Links:
http://www.viennabiennale.com/
http://www.viennale.at/
http://www.steirischerherbst.at/2006/

Montag, 25. September 2006

Feiern mit der MQ-WG

take5
Zu den alt bewährten Strategien für abendliche Feste in den eigenen vier Wänden gehört es den allzu lärmempfindlichen Nachbarn von nebenan kurzerhand selbst in Feierlaune zu versetzen. Wenn im Nachbar-Haushalt dann ohnehin gerade etwa ein Geburtstag ansteht reicht dazu oftmals eine nette Einladung. Kommenden Samstag findet diese Strategie nun auch in der Großraum WG für Wiener Kulturinstitutionen, dem MuseumsQuartier, ihre Anwendung. Dann nämlich laden Architekturzentrum, Kunsthalle, Mumok, Leopold Museum und Tanzquartier zur Feier ihres 5-jährigen Bestehens. Von 17 bis 24 Uhr genügt ein einziges 5€-Ticket für die Teilnahme an den Sonderführungen durch das aktuelle Angebot aus Ausstellungen, Performances und Filmvorführungen. Anschließende Party samt DJ-Lines machen ein längeres Verweilen schmackhaft.

Dienstag, 19. September 2006

Kulturpolitik im Zeitungsformat

kulturrat

Dass Kulturpolitik im Wahlkampf nur von marginaler Bedeutung zu sein hat gilt unter den Fraktionen als nahezu abgemacht Sache. Da traut sich einfach niemand drüber und möglicherweise ist das auch besser so. Woran das liegt? Nun ja, wahrscheinlich daran, dass die selbstberufenen RepräsentantInnen von AlleinerzieherInnen und MindestpensionsbezieherInnen zu dieser Zeit ihre Keulen derart eifrig schwingen, dass sogar dem MQ-Man selbst die Knie schlottern. Ich wüsste ehrlich nicht welche knackige Parole man jemandem hinzaubern könnte der die Fördermittel diverser Kulturinitiative lieber an die zahllosen ihn anrufenden, vom Schicksal hart geprüften Trümmerfrauen verteilen möchte. Bis zum Ende des Gesprächs wäre ich wahrscheinlich derart eingeschüchtert, dass man mich schlussendlich problemlos zur eigenhändigen Einrichtung von 200 Kindergartenplätzen samt angeschlossenem Fecht-Club überredet hätte.
Dass es auch anders geht beweist die am 5.September erschienene Zeitung des österreichischen Kulturrats, denn dabei handelt es sich wohl um den kompaktesten Rundumschlag in Sachen Kulturpolitik mit dem man es sich hierzulande jemals aufs stille Örtchen zurückziehen konnte. Auf 19 Seiten erhält man eine komplette Bestandsaufnahme der kulturpolitischen Agenda der letzten Jahre. Von Urheberrecht bis Prekariat, von Medienpolitik bis GATS, von Leitkultur bis zum Eklat um die VolxTheaterKarawane wird vor Augen geführt wo der Schuh drückt und dass Kulturpolitik weit mehr als eine Zanken um Subventionstöpfe zu seien hat. Nicht zu vergessen gilt es allerdings, dass es sich um die Publikation einer Interessensvertretung handelt und so kommt es nicht unerwartet, dass sich aus all diesen Detailberichten von den verschiedenen Fronten kulturpolitischer Konfrontation ein Forderungskatalog ergibt den der Kulturrat unter die Menschen bringen möchte. All dies steht allerdings nur am Anfang - als einführende Lektüre quasi - eines Aktionsprogramms welches ab Herbst Kulturpolitik ins allgemeine Blickfeld rücken möchte und als solche ist sie von meiner Seite auch wärmstens ans Herz gelegt.

Die Zeitung liegt an verschiedenen Orten des zeitgenössischen Kunst- und Kulturgeschehens in Österreich zur freien Entnahme auf und steht auch als Download im pdf-Format (~4MB) zur Verfügung (z.T. mit Kurz-Versionen der Texte).

Link:www.kulturrat.at

Montag, 11. September 2006

World Press Photo 06

© Pål Hermansen, Norwegen, für Orion Forlag/Getty ImagesPolarbär, Svalbard

Fuer ganze sechs Wochen macht die Wanderausstellung der besten Pressebilder des Jahres 2005 Station in Wien. Beherbergt werden die rund 200 Fotos zu 10 Themenkreisen hierzulande von « WestLicht. Schauplatz fuer Fotografie ». Dort feiert man ohnehin gerade 5-jaehriges bestehen, und jene die es bisher ohnehin noch nicht geschafft haben dort mal reinzuschauen sollten sich von dieser Gelegenheit ohnehin sofort am Schopf packen lasse, denn was einen da erwartet ist eine beeindruckende Flut visueller Emotionalisierung, die einen schon ganz schoen durchzuruetteln vermag. Ich werd mir das auf jeden Fall nicht entgehen lassen sobald ich aus diesem Land ohne ae-, oe-, und ue-Tasten heimgekehrt bin.

WPP06
12.9. - 22.10.
Westlicht
1070 Wien, Westbahnstr. 40
http://www.westlicht.com

Donnerstag, 7. September 2006

Musik ist Frauensache

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Anlässlich der zehnten Ausgabe von fiber, dem Magazin mit dem frauenaffinen Blick auf popkulturelles Schaffen, stellt die Redaktion ein viertägiges Musikfestival auf die Beine. Was sich hier aber als legères Musikfestival kleidet ist in Wirklichkeit eine rotzfreches Konglomerat aus Film-, Diskussions- und Konzertveranstaltungen rund um das Thema Frauen im und um das Musikbusiness. Damit steht man in guter Tradition mit dem sich schließlich auch hierzulande etablierenden Ladyfest. Weil eben dieses heuer aber ohnehin Pause macht kommt das rampenfiber gerade recht. Ganz im Sinne von Vernetzung und Austausch berichten etwa Musikerinnen und Journalistinnen aus Leben und Arbeit und bei DJ- und Tontechnik-Workshops lässt sich alles um die richtige Bedienung von Knöpfen und Reglern in Erfahrung bringen. Für die etwas passiver gepolten unter den Gästen wird etliches an musikalischem und cineastischem Geboten. Verheißungsvoll klingt da bereits die Eröffnung, bei der in einer 20-minütigen Bett-Performance mit Yoko Ono und Courtney Love die beiden Schauderwitwen des Pop aufeinander treffen und dabei sowohl die Laken als auch kursierende Klischees einem Strapazentest unterziehen. Alles in allem eine dicke Empfehlung von Seiten des MQ-Man.

rampenfiber. Femnistisches Musikfestival
findet statt von 28.9. bis 1.10.
Programmdetails: www.fibrig.net
Eintritt: frei

Donnerstag, 31. August 2006

Ich und Österreich

oesterreich
Was hab ich mir eigentlich erwartet? Der Launch einer österreichischen Tageszeitung steht an und natürlich interessiert einen was da kommen mag. Speziell wenn man mitten im einsamen Kampf um „Kultur für Alle!“ steht geht einem in hoffnungslos scheinenden Momenten die Möglichkeit unheiligster Allianzen durch den Kopf. Aber bevor ich meinen Plan zur Übernahme der Hans Peter Martin Kolumne im auflagenstärksten Polit-Fanzine der Welt zu ende spinnen konnte hatte mich die Neugier bereits ins Internet geschuppst, geradewegs auf die vielumworbene Homepage der noch viel mehr umworbeneren Fellner-Zeitung. Doch trotz der Verheißungen der TV-Spots entpuppte sich www.oe24.at vorerst allerdings als potemkinsches Dorf aus blassen Platzhaltermeldungen. Doch sogar daraus war eine für mich durchwegs enttäuschende Bilanz ziehen. Denn bereits die Navigationsleiste macht klar, dass man hier mit Kunst und Kultur lieber nichts zu tun haben möchte. Stattdessen kann man beim geduldigen scrollen ans untere Ende der Homepage augenreibend das offensichtliche Glanz und Gloria Ressort entdecken: „Auto“. Naja soviel dazu. Eine tiefgehendere Blattbegutachtung der morgen erscheinenden Erstausgabe findet übrigens Abends in der Buch-, Platten-, Möbel-Cafe Phil statt. Anzutreffen sind: Astrid Zimmermann (Geschäftsführerin des Medienhauses Wien und frühere Standard-Redakteurin sowie ehemalige Vorsitzende der Journalisten-Gewerkschaft), Gabi Lenz (vom Büro für Visuelle Gestaltung, Lehrende an der FH für Journalismus) und Johannes Grenzfurthner (monochrom; Künstler, Autor).

Blattkritik Österreich #1
Cafe Phil, Gumpendorferstrasse 10-12, 1060 Wien
20:00 Uhr

Dienstag, 29. August 2006

Wolf Haas liest vor

haas3
Jetzt ist schon wieder was passiert. Und das ausgerechnet im MuseumsQuartier. Oder viel besser es wird wieder was passieren. Denn am 31. August geht zwar das Open-Air Literaturfestival o-töne zu ende, gleichzeitig wartet mit aber auch noch ein kleines Abschlusshighlight. Am letzten Abend wird nämlich Wolf Haas den MQ-Haupthof zur Zuhörarena umfunktionieren. Der einstige Werbetexter verantwortlich etwa für den kessen Spruch „Lichtfahrer sind sichtbarer“ liest bei dieser Gelegenheit aus seinem aktuellsten roman „Das Wetter vor 15 Jahren“. Bei Schlechtwetter muss das Cafe Leopold herhalten. Viel Spaß!

Link: www.o-toene.at/

MQMan

Kultur für alle

MQ-Man in Aktion

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