Mich würde ja mal interessieren was Berthold Brecht von der Forderung „Kultur für Alle!“ gehalten hätte. Immerhin war das einer, der die Passivität und Teilnahmslosigkeit des Publikums überhaupt nicht leiden konnte. Mit seinem epischen Theater wollte er die konsumierenden und passiven Zuschauer aktivieren und zum Handeln zu bewegen. Naja, irgendwie war er damit wohl schon einen Schritt weiter als ich. Mir würde es ja vorerst schon mal reichen, wenn die Couch Kartoffeln in die Gänge kämen und das Kulturangebot in ihrer Nähe zumindest einmal inspizieren würden. Irgendwie bin ich da derzeit etwas ratlos. Wie macht man einerseits Kunst und Kultur attraktiver und zugänglicher und verhindert gleichzeitig sich in nichts sagender Anspruchslosigkeit zu verlieren. Der liebe Herr Matt von der
Kunsthalle Wien etwa hat sich für mein Auftreten bei der Art|Basel (siehe unten) wohl ziemlich geniert wie man einem Interview entnehmen konnte. Jetzt bin ich weit davon entfernt es jedem recht machen zu wollen. Im Gegenteil, Kritik an Auftreten und Methode von Superhelden haben lange Tradition, aber freilich ist auch keiner von uns vor von Selbstzweifeln bestimmten Stimmungstiefs gefeit.
Künstlerinnen und Künstler brauchen vor allem Wahrnehmung ihrer Leistungen und in weiterer folge auch die kritische Auseinandersetzung damit. Aber wie bekommt man jemanden dazu sich für etwas zu interessieren, dass er oder sie nicht kennt? Die Antwort lautet oft das eigentliche Kunststück (hier mal ganz wörtlich gemeint) mit ein bisschen Pop zu schmücken. Brandauer zwängt Campino in Hut und Hosenträger und ich mich in einen Anzug der vorrangig meine äußerlichen Vorzüge betont. Auch bei Kultureinrichtungen läuft das ähnlich und das MQ ist ein prima Beispiel dafür. Nette Lokale und originelle Shops holen die Leute da ab wo sie sind und erleichtern es Kunstschaffenden durch schlichte räumliche Nähe ihre Netze auszuwerfen. Natürlich existiert der Nutzen auch andersrum, und wenn eine tolle Veranstaltung zum Publikumsmagneten wird tut das auch dem ansässigen Gewerbe gut. Problematisch wird es aber wenn die ökonomischen Notwendigkeiten den kulturellen Ansprüchen den Rang ablaufen und es womöglich lukrativer ist den Merchandising-Shop aufzupeppen als die Ausstellungsräumlichkeiten. Abstrus wird es auch wenn Sponsoring und Produkt so gar nicht vereinbar scheinen. Die Deutsche Bank als Hauptsponsor eines Stückes in dem es heißt: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“, da darf man sich schon mal grübelnd ans Kinn greifen. Und obwohl der Berliner Admiralspalast zur heutigen Premiere der Dreigroschenoper gut gefüllt sein wird, darf man durchaus kritisch sein. Ähnliches gilt natürlich auch für das MuseumsQuartier selbst. Das 5 jährige Bestehen ist da ein prima Anlass denke ich. Also postet doch mal eure Meinung zum bisherigen MQ-Drahtseilakt.