Neulich bei der Wiener Tourismuskonferenz

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Am vergangenen Dienstag traf sich die Wiener Tourismusbranche im Wiener Rathaus. Was wohl in etlichen Palmtops als sleep’n’eat Veranstaltung für den Nachmittag geplant war gönnte sich dann doch ein bisschen Kontroverse und lernenswertes für die Gäste. Präsentiert und diskutiert wurde nämlich die touristische Positionierung Wiens und da scheint es ein kleinwenig zu brodeln. „Lebenslust und Kunstgenuss“ ist die etwas dick aufgetragene Catchphrase für das Jahr 2007 und für mich, MQ-Man, ist es nicht ganz unspannend zu erfahren wie sich die Stadt in Sachen Kunst und Kultur nach außen präsentieren will. Die Diskussion darüber was man gern von sich zeigt ist ja nicht zuletzt geprägt davon wie man sich selber sieht, also ein astreiner Identitätsdiskurs. Eine spaßige Sache wie ich finde. Die ultimative Zielgruppe: Die Jungen aka die Kreativen aka die jungen Kreativen aka die junge kreative Szene. Diese Leute anzulocken ist das ultimative Legitmationsmuster für das eigene Handeln, nicht nur in dieser Branche, und so freuen sich auch die Adabeis Elisabeth Gürtler (Opernball, eh scho wissn) und Tanzschul-Thomas (Elmayer) von der „Begeisterung der Jugend für Bälle“ zu berichten. Auf den ersten Blick wirkt das Geriss um die Jungen angesichts der demographischen Entwicklung völlig schwachsinnig. Auf den zweiten macht das durchaus Sinn. Gerade der Mangel an Jugendlichen macht sie extra interessant, denn auch alte Leute stehen drauf von Jungen umgeben zu sein. Das gilt für diejenigen die bereits eine popkulturelle Sozialisation hinter sich haben vielleicht umso mehr. Also braucht es eine Weiterentwicklung des Wiener Kulturprofils. Dabei gibt es aber ein dickes Problem: Mozart verkauft sich wahnsinnig gut. Und irgendjemand wünschte sich angesichts der Nächtigungs- und BesucherInnenzahlen tatsächlich jedes Jahr ein Mozartjahr. Gerald Matt von der Kunsthalle war allerdings von der Aussicht auf ein „Geriatriezentrum Wien“, wie er meinte, wenig angetan, worin sich aber genau diese Angst vor dem Alter widerspiegelt. Und zwar nicht nur vor dem eigenen Altern (Direktor Matt ist ja noch ein junger Hüpfer), sondern davor nur von Alten umgeben zu sein. Das wirkt einfach trostlos und will niemand. In diesem Sinne stand die bisher hochlukrative Welt des musealen, charmant angestaubten Wien von Gürtler und Co, jener auf dieser Konferenz verkörpert durch die Berufsjugendlichen Thomas Rottenberg und Electric Indigo gegenüber. Wer will sich da schon entscheiden müssen? Wie auch immer, die Berufsjugendlichen gaben sich rätlich Mühe zu erklären was die „jungen Leute“ so an Wien schätzen und was es in diesem Sinne zu tun gäbe, mussten aber bereits auf halbem Weg halt machen um den Anwesenden zu erklären worum es sich beim Flex handelt. Zumindest kann man nächstes Jahr vielleicht darauf aufbauen. Denn obwohl das Flex selbst schon längst nicht mehr der Ort für die wirklich interessanten Dinge in Wien ist, verfügt es über eine vermittelbare Reputation. Mir blieb schließlich ein tristes aber nicht hoffnungsloses Bild von diesem Nachmittag. Um das biedere Bild der „Ballmetropole“ zu überkommen oder zumindest um einig Facetten zu erweitern muss sich zu aller erst das Selbstbild ändern, denn in vielen (einflussreichen) Köpfen ist die Vielfalt der Kulturaktivitäten in Wien noch nicht angekommen.

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